Fünf Fragen an… Marcel Kaiser

Wir werden in unregelmäßigen Abständen Interviews mit dem Verein nahestehenden Personen führen und in der neuen Rubrik “Fünf Fragen an…” veröffentlichen. Nachdem wir zuletzt Herbert Smolarski und Gerd Worms interviewt haben, kommt nun ein weiterer Trainer mit Marcel Kaiser zu Wort. Marcel ist seit der Saison 2013/2014 als Co-Trainer aktiv. Zuvor war er jahrelang als Spieler fester Bestandteil der 1. Mannschaft.

Marcel Kaisersalingia08.de: „Nach einigen Jahren als Spieler bist Du seit der abgelaufenen Saison Co-Trainer der 1. Mannschaft. Wie bist Du damals nach Barmen gekommen?

Marcel: „Ich glaube es war 2008, als ich nach einer unrühmlichen Saison beim BC Oberzier meine Schuhe an den berühmten Nagel gehängt hatte. Kurz vor der Winterpause stand Salingia in der Kreisliga B auf einem Abstiegsplatz und ich hatte regelmäßig, man kann sagen täglich, „Besuch“ von meinem Arbeitskollegen, Freund und Barmener Urgestein Gerd Worms. In seiner unnachahmlichen Art schaffte er es, Barmen als Herausforderung zu sehen und mich dem Club zumindest für eine halbe Saison anzuschließen.
Ich kann mich dabei noch gut an das erste Training erinnern. Es war eiskalt, nass und wir waren fünf bis sechs Mann beim Training. Wir spielten ein bisschen Vier gegen Zwei, gingen Duschen und zockten dann eine Runde Skat. Auf meine Nachfrage, ob dies die Regel wäre und wie wir denn Sonntag für Sonntag eine Mannschaft stellen könnten, bekam ich kurz und knapp die Antwort: ‚Ja klar, mach dir keinen Kopf!‘
Ich bin damals von Anfang an gut aufgenommen worden, habe wieder Spaß am Fußball gefunden und  – was soll ich sagen – bin dann noch eine weitere Saison geblieben.

2010 bin ich dann noch mal für ein Jahr zu meinem Heimatverein und damaligen Aufsteiger Oberzier gewechselt, was sich im Nachhinein als großen Fehler herausstellte.

Es brauchte dann auch nicht viele Worte und sowohl Gerd als auch Ingo Offermanns überzeugten mich diesmal von dem „Projekt Barmen“, mit all den jungen Nachwuchstalenten, die in den Startlöchern standen.
Nun,  seitdem bin ich dabei.
Vielleicht an dieser Stelle noch ein paar Worte zur Entwicklung des Vereins Salingia Barmen: Mein erstes Spiel machte ich vor ca. drei Zuschauern (Trainer inbegriffen) in den Niederungen der Kreisliga B. Die meisten meiner Mitspieler kannte ich nur von den sonntäglichen Spielen.
In der zurückliegenden Spielzeit haben wir eine gute Kreisliga A-Saison gespielt, haben über 20 Spieler eingesetzt, haben regelmäßig 20 Spieler beim Training, einen Altersdurchschnitt von ca. 21 Jahren, haben ein neues, sehr schönes Clubheim und im letzten Saisonspiel vor annährend 400 Zuschauern gespielt.
Ich denke, diese Entwicklung ist nicht nur bemerkenswert, sondern kreisweit einzigartig.“

salingia08.de: „Seit ein paar Wochen liegt Deine erste Saison als Trainer hinter Dir. Wie beurteilst Du die Saison 2013/14?“

Marcel: „Ich würde für die Saison die Schulnote „gut minus“ vergeben. Spieler, Trainer, Verein und Fans sollten die Saison mal in Ruhe „sacken“ und dann mit einem gewissen Abstand die Spiele Revue passieren lassen.
Als Aufsteiger, der sich nur mit einem Spieler verstärkt hatte, der einen Altersdurchschnitt von ca. 20 Jahren aufwies und der viele neue, ehemalige Jugendspieler integrieren musste, haben wir nach meiner Auffassung herausragende Spiele in der Hinrunde abgeliefert.
Wir haben die Spielphilosophie geändert und auf jungen, unbekümmerten und schnellen Angriffsfußball umgestellt.
Das wir in der Rückrunde Rückschläge erleiden würden, war mir eigentlich klar. Man kann dies vielleicht mit folgenden Faktoren begründen:

–      Der Ort Barmen war mittlerweile auf der (Fußball-)landkarte bekannt
–      Unsere Spieler, übrigens wovon vor der Saison noch niemand ein A-Liga Spiel aufwies, wurden von den Gegnern beobachtet und waren nun keine Unbekannten mehr
–      Die Trainingsbeteiligung war wegen verschiedener Gründe (Krankheit, Verletzungen, Studium…) nicht mehr so wie in der Hinrunde
–      Der sportliche Anreiz ging ein wenig verloren (nach oben und nach unten ging nichts mehr)
–      Unglückliche Spielsituationen bzw. Schiedsrichterentscheidungen
–      Vielleicht ein bisschen fehlende Abgezocktheit, taktische Fehler etc.

Nichtsdestotrotz haben wir uns insbesondere in den letzten beiden Spielen gefangen, müssen aus den dargestellten Fehlern lernen und werden nächste Saison noch stärker aufspielen.“
salingia08.de: „Nach einer starken Hinrunde folgte eine durchwachsene Rückrunde. Welche Rolle wird die Salingia in der kommenden Saison spielen?“

 Marcel: „Natürlich möchte ich einen Schritt nach vorne gehen. Wir haben jetzt ein Jahr Erfahrung hinter uns und werden schwierige Situationen, z. B. aufgrund personeller Engpässe oder unglücklicher Niederlagen, besser meistern. Ich hoffe, dass wir mehr Spielzüge und taktische Flexibilität in unser Spiel integrieren und routinierter bzw. abgeklärter auftreten werden. Ich bin da sehr optimistisch.“

 

Künftig ein seltenes Bild: Marcel Kaiser im Trikot.
Künftig ein seltenes Bild: Marcel Kaiser im Trikot.

salingia08.de: „Von März bis Juni diesen Jahres hast Du selbst acht Spiele bestritten. Wird man Dich kommende Saison öfter im Trikot sehen?“

Marcel: „Ein klares Nein. Ich fordere die Jungs auf, sich selber richtig einzuschätzen. Das gilt dann natürlich im Besonderen für mich persönlich. Ich könnte dieser jungen Truppe nicht mehr weiterhelfen und sehe auch das Modell „Spielertrainer“ eher kritisch. Natürlich werde ich versuchen, mich fit zu halten, um bei absolutem personellen Notstand zur Verfügung zu stehen.“
salingia08.de: „Bei der Mannschaft bist Du als Konditionstrainer berühmt und berüchtigt. Was wird uns in der kommenden Vorbereitung erwarten?“

Marcel: „Unsere Spielphilosophie baut auf eine stabile physische Basis. Wir hatten eine sehr gute, wenn auch harte, Sommervorbereitung, die uns u. a. diese herausragenden Spiele ermöglichte. Von einer guten Vorbereitung zehrt der Spieler die ganze Saison. Wir Trainer haben im Saisonrückblick schon festgehalten, dass wir im Winter – vielleicht der allgemeinen Euphorie geschuldet – die Intensität der Einheiten deutlich zurückgeschraubt hatten. Dies hat sich als Fehler erwiesen, der uns so nicht mehr passieren wird.
Eine gute Fitness ist die Grundlage für jeden, um gute Spiele abzuliefern. Natürlich weiß ich ganz gut, dass eine intensive Vorbereitung nicht auf Gegenliebe bei den Spielern stößt und habe selber Jahre gebraucht, um die Notwendigkeit zu erkennen.
Um nun konkret Deine Frage zu beantworten: Die Vorbereitung wird intensiv und abwechslungsreich werden. Wir werden aber sehr darauf achten, Spielfreude und Teamgeist zu fördern.“

salingia08.de: „Vielen Dank, dass Du Dich für unsere Rubrik „Fünf Fragen an…“ zur Verfügung gestellt hast!“

Marcel: „Vielleicht gestattest Du mir abschließend noch ein paar persönliche Worte: Ich möchte an dieser Stelle einmal dem Team, damit meine ich erste und zweite Mannschaft, – Danke – sagen. Im ersten Trainerjahr ist man unerfahren und weiß nicht, was einen erwartet. Die Truppe hat es mir jedoch sehr leicht gemacht, ich fühlte mich akzeptiert und anerkannt.
Meinen Dank möchte ich auch an Herbert Smolarski richten. Ich habe die Zusammenarbeit immer auf „Augenhöhe“ empfunden und fand diese sehr harmonisch. Gleichzeitig konnte ich im Hintergrund von ihm als erfahrenen Trainer lernen.

Danke möchte ich an dieser Stelle, auch im Namen der Spieler, allen ehrenamtlichen Helfer sagen. Unser sportlicher Erfolg wurde hervorragend begleitet.
Es ist nicht selbstverständlich, dass die Sportanlage in einem solchen Zustand ist und immer weiter verbessert wird, dass die Mannschaft bei Heimspielen bekocht wird, dass Kuchen oder Getränke während den Spielen verkauft werden, dass eine solche Sportwoche organisiert wird und und und.
Im schnelllebigen Alltag gehen heutzutage solche Leistung oft unter, die aber zwingend erforderlich für einen kleinen Sportverein sind.“